Elena Kaufmann arbeitet an der Schnittstelle von Dokumentarfotografie und Kunst und genau dort gewinnt ihr Blick seine eigentümliche Spannung. Ihre Fotografien treten nicht auf wie Behauptungen: sie bleiben zurückhaltend, fast abwartend. Wer sich Zeit nimmt, stößt auf eine Präzision, die nicht über Lautstärke funktioniert, sondern über Nuancen: Gesten, die beiläufig wirken und doch Bedeutungen sammeln, Blicke, die nicht posieren, sondern öffnen. Diese Form respektvoller Nähe prägt Kaufmanns Arbeit seit Jahren.
„Sie hat sensibel beobachtet, was sich zeigte, und dieses vorsichtig akzentuiert“, sagt Prof. Dr. Kai Uwe Schierz. Ein Satz, der Kaufmanns Haltung beschreibt: nicht vereinnahmen, sondern sichtbar machen, ohne das Sichtbare zu verraten.
Dokumentarfotografie ist bei ihr deshalb keine reine Abbildung, sondern eine Übersetzung. Das Vorgefundene wird in ein ästhetisches, oft auch konzeptuelles Narrativ überführt, das gesellschaftliche Themen nicht bebildert, sondern in Bildräumen verhandelt.
Aufgewachsen in Sankt Petersburg und künstlerisch geprägt in Paris, entwickelt Kaufmann seit über zehn Jahren in Deutschland eine Praxis, die Langzeitbeobachtung mit psychologischer Sensibilität verbindet. Ihre Serien entstehen häufig über Jahre: Vertrauen ist nicht Nebensache, sondern Voraussetzung. Und die Fotografin im besten Sinn eine Zuhörerin, bevor sie zur Bildautorin wird.
Bei Kaufmann kommt noch etwas hinzu, das in der Gegenwart fast schon wie ein Widerspruch wirkt: eine bewusste Entschleunigung. Ihre Arbeit entfernt sich vom Tempo der Moderne: von dem schnellen Produzieren, dem sofortigen Verwerten, dem permanenten Bildstrom, und setzt stattdessen auf Prozesse, die dauern. Anwesenheit ist bei ihr keine Pose, sondern Praxis: wiederkommen, bleiben, zuhören, warten können. Geduld wird zum Material.
Dazu passt, dass Kaufmann immer wieder mit Film arbeitet. Nicht als Nostalgie-Geste, sondern als Entscheidung für ein anderes Zeitmaß: ein Medium, das die Abläufe verlangsamt, Schritte zurückfordert, Zwischenräume zulässt. Wo digitale Prozesse heute Beschleunigung versprechen, setzt sie einen Gegenakzent und verschiebt damit auch die Aufmerksamkeit: weg vom schnellen Treffer, hin zur Genauigkeit. Ihre Bilder wirken gerade deshalb so ruhig, weil sie nicht „gemacht“ aussehen wollen, sondern entstanden.
In dieser Haltung liegt auch eine kleine Kritik am Zeitgeist: Kaufmanns Fotografie erinnert daran, dass Nähe nicht im Sprint entsteht, sondern im Dableiben... und dass manche Wahrheiten erst auftauchen, wenn niemand sie drängt.
2025 „Der Weiße Faden“, Klosterkirche Riddagshausen, Braunschweig
2024 „Ein Jahr mit dem Stern“, Bauhaus Uni Weimar
2023 „Der Weiße Faden“, Festung Ehrenbreitstein, Koblenz
2021 „Der Weiße Faden“, Bahnhofvorplatz, Erfurt
2019 „24-ONE: Feuerwache. Das Warten.“, Angermuseum Erfurt
2018 „Ein Jahr mit dem Stern“, Kunsthalle Erfurt
2016 „Mein Nachbar ist zu laut“, Atelierhaus Vogelsgarten, Erfurt
2016 „Mein Nachbar ist zu laut“, Nerly, Erfurt
2011 „Kulturpalast“, Atelierhaus Vogelsgarten, Erfurt
2024 "NEXT GENERATION #1", Kunsthalle Erfurt
2024 "New Analog Art Photography" , Pittlerwerke Leipzig
2019 „WASTING TiME“, Atelierhaus Vogelsgarten Erfurt
2018 „Quo Vadis“, Schauspielhaus Erfurt
2016 „YEA“, Kunsthaus Erfurt
2015 „Tagebuch der verpassten Chancen“, FÖN, Erfurt
2009 „Fifty“, Cultural Center of Art and Music, Sankt Petersburg
2025 Projektförderung der Richard Boreck Stiftung, Braunschweig
2024 Projektförderung ACHAVA Festspiele Thüringen und Bauhaus Universität Weimar
2023 Projektförderung der Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz
2021 Projektförderung der Ministerium für Justiz, Migration und Verfassung und der Landeshauptstadt Thüringen Kulturdirektion
2019 Projektförderung der Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz und der Landeshauptstadt Thüringen Kulturdirektion
2018 Projektförderung der Landeshauptstadt Thüringen Kulturdirektion
2018 Projektförderung der ACHAVA Festspiele Thüringen, der Jüdische Landesgemeinde Thüringen und der Landeshauptstadt Thüringen Kulturdirektion